Goldbach kämpft um seine Zukunft

Main Netz, 07.12.2011 | Nina-Anna Beckmann

Eine überalterte Bevölkerung, leer stehende Gebäude, Industriebrachen und die Abwanderung aus den Zentren - viele Orte haben mit demografischen und strukturellen Problemen zu kämpfen. Will eine Kommune eine Zukunft haben, muss sie heute handeln. Die Gemeinde Goldbach tut dies. Als erste im Landkreis Aschaffenburg hat sie den Antrag zur Aufnahme ins Städtebauförderprogramm »Stadtumbau West« gestellt. 2008 wurde Goldbach aufgenommen.

Seitdem zeichne sich die Gemeinde durch Motivation bei der Sanierung aus, heißt es bei der Regierung von Unterfranken. Allerdings gibt es auch Handlungsbedarf, wie Fachleute feststellen. »Als ich vor drei Jahren das erste Mal nach Goldbach kam, hatte ich Schwierigkeiten, das Zentrum zu finden«, sagt Léonie Keil von der Stadtentwicklung GmbH (STEG) - denn eine richtige Ortsmitte gebe es nicht.  Seitdem ist die junge Frau regelmäßig in der Marktgemeinde zu Gast, um dies zu ändern. Neben dem Finden und Stärken einer Ortsmitte zählen alle städtebaulichen Belange Goldbachs zum Aufgabenbereich der Stadtumbaumanagerin.

Zahlreiche Baustellen
Als die Gemeinde in das Städtebauförderprogramm aufgenommen wurde, holte sie die STEG mit ins Boot. »Der Aufwand wäre für eine kleine Verwaltung wie die unsere zu groß gewesen«, begründet dies Goldbachs Bürgermeister Thomas Krimm. Seitdem ist einiges geschehen: Viele Missstände, die mit Hilfe der Fördermittel beseitigt werden sollen, wurden in Angriff genommen - nicht zuletzt an den zahlreichen Baustellen zu erkennen.
So wird derzeit sowohl der Platz an der Nikolauskirche neu gestaltet, als auch die Alte Schule von Grund auf saniert. Im nächsten Jahr soll die Weidenbörner Straße folgen. Auch auf dem Parkplatz vor dem Pfarrhaus an der Hauptstraße wird gearbeitet, er soll grüner und ansprechender werden. All diese Projekte gehören zum »Stadtumbau West«.
Außerdem hat die Gemeinde in Zusammenarbeit mit der STEG ein noch enger gefasstes Sanierungsgebiet im Ortskern ausgewiesen, zu dem die Kelterei Stenger und das Rathausquartier gehören. Der Vorteil dieses Sanierungsgebiets: Hausbesitzer bekommen für bestimmte Arbeiten an ihren Gebäuden nicht nur Fördermittel, sondern können die Kosten auch bis zu elf Jahre steuerlich absetzen, erklärt Bürgermeister Krimm. Etwa 25 Bürger seien bisher in der Sanierungsberatung im Rathaus gewesen, einige davon hätten die Baumaßnahmen bereits umgesetzt.

Pergola und Marktstände geplant
Wichtiges Ziel des Sanierungsgebiets und des Rahmenplans, den der Gemeinderat jüngst beschlossen hat, ist es, ein Zentrum für Goldbach zu schaffen. »Diese neue Mitte soll rund um das Rathaus entstehen«, erklärt Léonie Keil. So sieht der Rahmenplan, den die einzelnen Fraktionen gemeinsam mit dem Kleinostheimer Architekten Rolf Gebhardt entworfen haben, eine terrassenförmige Abstufung des Rathausplatzes vor.
Entlang der Hauptstraße ist eine Pergola geplant, unter der Marktstände und eine öffentliche Toilette Platz finden können. Gleichzeitig soll es weniger Parkplätze geben. Das Alte Feuerwehrhaus soll zu einem öffentlichen Mehrzweckhaus umgebaut werden. Ein Café auf dem Platz schräg gegenüber des Alten Feuerwehrhauses ist vorgesehen, ebenso eine Verkehrsberuhigung der Straße Sachsenhausen.

Investor gesucht
Für die Umsiedlung der Kelterei Stenger, die im eng bebauten Ortskern an ihre Grenzen stößt, sucht die Gemeinde noch einen Investor, so Krimm. Sobald dieser gefunden sei, soll im Keltereiviertel ein Generationenübergreifendes Wohnprojekt entstehen. Die Regierung von Unterfranken ist mit der Gemeinde Goldbach sehr zufrieden: »Die Motivation zur Sanierung ist groß«, sagt Daniela Kircher, Städtebau-Referentin bei der Regierung. Goldbachs Konzept und Strategie sei sehr gut.
Das zeigen auch die Zahlen: »Bis jetzt sind 1,4 Millionen Euro der förderfähigen Kosten bewilligt, das ist für eine Gemeinde dieser Größenordnung enorm«, sagt Léonie Keil. Und Goldbachs Bürgermeister ergänzt: »Jetzt sind die Bürger gefragt, sie sollen uns sagen, was noch fehlt, was sie sich wünschen, damit ihre Gemeinde attraktiver wird.« Nina-Anna Beckmann

Hintergrund: Förderprogramm »Stadtumbau West«
Die Städtebauförderung »Stadtumbau West ist ein 2004 aufgestelltes Programm des Bundes und der Länder, mit dessen Hilfe Städte, Märkte und Dörfer ihre Stadt- und Ortskerne oder Stadtteile erneuern oder umgestalten können. Ziel des Förderprogramms ist eine Stärkung der Innenstädte und Ortsmitten, die Fortentwicklung von Stadt- und Ortsteilen mit sozialem, ökonomischem und ökologischem Entwicklungsbedarf.
Dabei sollen auch übergreifende Themen wie Wirtschaft und Beschäftigung, Ökologie, Denkmalpflege und Kultur sowie Bildung und Soziales berücksichtigt werden. Bund- und Länder tragen 60 Prozent der förderfähigen Kosten, die Kommunen 40 Prozent. (nab)