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Akademie Blog Corona

Stadtentwicklung: Die Rolle von ‚Smart City‘

 

Die Smart City zwischen Innovation und digitaler Kontrolle

Derzeitige Diskussionen rund um die Digitalisierung der Städte deuten an, dass sich die Planungskultur Europas infolge des Coronavirus weitreichend verändern wird. Eine Stadt gilt als »smart«, wenn in ihr durch den Einsatz innovativer Informations- und Kommunikationstechnologien intelligente Lösungen für ganz unterschiedliche Bereiche der Stadtentwicklung (Infrastruktur, Gebäude, Mobilität, Dienstleistungen oder Sicherheit) erzielt werden.

Als Leitbild der Stadtentwicklung hat sich die Smart City in Europa bisher nicht durchgesetzt, die aktuelle Krise zeigt uns allerdings mehr als deutlich auf, wie wichtig digitale Technologien in Zeiten des Social Distancing sind. Während das Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat entsprechend der Ziele der Smart City Charta aus dem Jahr 2017 noch Smart Cities Modellprojekte sucht, haben sich vor allem amerikanische und asiatische Städte längst auf den Weg der digitalen Transformation begeben.

Smartphones, Datenspeicher und weitere digitale Instrumente werden dort konzipiert und hergestellt, auch die meisten smarten Software-Lösungen, Apps und Cloud-Management-Plattformen entstammen aus Ländern mit Datenschutzregelungen und Sicherheitsanforderungen, die aus europäischer Sicht bedenklich sind. In Coronazeiten erfolgt die digitale soziale Vernetzung über Facebook, Instagram, WhatsApp und Co., der Online-Handel über Amazon und eBay, die Videokonferenz über Zoom oder Skype, und, fast schon überraschend, ein süddeutsches Unternehmen namens TeamViewer.

Jenseits dieser Kritik an der fehlenden digitalen Wertschöpfung Europas bleibt für europäische Städte genug zu tun, und genau darin liegt ihre Chance: Gemeinsam mit den Akteuren und Netzwerken vor Ort gilt es, die Digitalisierungsstrategien mit den Anforderungen einer zukunftsorientierten und verantwortungsvollen Stadtentwicklung zu verknüpfen. Die unter Teilhabe der Bevölkerung gefundenen Lösungen dürften nachhaltiger, der Weg dorthin allerdings auch langwieriger sein, als in nicht demokratisch verfassten Gesellschaften.

Die Herausforderungen beim Aufbau von Smart City Lösungen liegen aktuell weniger bei der Datensammlung, -speicherung und -aufbereitung als bei der Erschließung von Schnittstellen zwischen den einzelnen »Teilmärkten« der smarten Stadt (Smart Mobility, Smart People, Smart Economy, Smart Environment, Smart Government sowie Smart Living).

Wie bereits am Beispiel der QR-Health-Code-App dargestellt, geht es bei der Smart City vor allem aber um personenrechtliche Fragen im Spannungsfeld zwischen informationeller Selbstbestimmung und digitaler Überwachung und Kontrolle. Welche persönlichen Daten dürfen im Pandemiefall verwendet werden? Eine »echte« Smart City würde digitale Technologien nicht nur für die Gefahrenabwehr oder öffentliche Sicherheit einsetzen, sondern auch für weniger relevante öffentliche Belange mit stadträumlicher Relevanz.

Festzuhalten bleibt, dass die Smart City einen Verwaltungsapparat (Staat, Länder, Gemeinden) benötigt, der mit der hohen Geschwindigkeit des technischen Fortschritts mithalten kann. Allein aufgrund der sensiblen Datenverwendung muss die Prozesssteuerung bei der öffentlichen Hand liegen, und nicht bei den Unternehmen aus der Privatwirtschaft.

Lesen Sie in der kommenden Woche Teil 3, der sich mit dem Thema
„Digitale Bürgerbeteiligung in Zeiten der Krise“ beschäftigt.
Dieser erscheint am Montag, 08. Juni 2020.

 

Sie möchten die vorangegangenen Themenbereiche nachlesen:
Einführung | „Stadtentwicklung – Jetzt für die Zukunft lernen
Teil 1 | „Zukunftsmodelle der Stadtentwicklung nach Corona

Haben Sie Fragen, Wünsche oder Anregungen:

Ihr Kontakt bei der STEG:
Dr. Frank Friesecke
Geschäftsfeldleiter Stadterneuerung | Autor „Stadtplanung nach Corona“

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